Finanzierung: IGF, Forschungsschwerpunkt Berglandwirtschaft der Universität Innsbruck
Laufzeit
: 2010–2012
Leitung
: Dr. Mathilde Schmitt
Projektmitarbeit
: Mag. Melanie Steinbacher

Schule am Bauernhof

 

Ein Ziel der 2005 von der UNESCO ausgerufenen Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ist es, die Umweltbildung neu auszurichten. Kindern und Jugendlichen sollen verstärkt Möglichkeiten einer größeren Praxis-, Körper- und Sinneserfahrung im Schulalltag angeboten werden, um ihre Empathie, Motivation und Kompetenzen zum Handeln und Gestalten zu stärken. Projekte wie Schule am Bauernhof weisen dafür ein großes Potential auf. Wenn Bauern und Bäuerinnen ihre Höfe und Häuser für Kinder und Jugendliche (häufig mit städtischem Hintergrund) öffnen und diese an ihrem Arbeitsleben und Erfahrungswissen teilhaben lassen, tragen sie maßgeblich zu einem besseren Verständnis von Natur/Kultur, Stadt/Land, Nahrungsmittelproduktion/-konsum, etc. bei.

Während über den damit verknüpften pädagogischen Nutzen schon ansatzweise geforscht wurde, ist die Bedeutung dieser farm based activity bislang kaum beleuchtet worden - weder für die involvierten bäuerlichen Familien noch für eine nachhaltige Regionalentwicklung. Im Rahmen des vorliegenden Forschungsprojektes wird untersucht, welche persönlichen und betrieblichen Voraussetzungen zu einer langfristig gelungenen Umsetzung von Schule am Bauernhof in Berggebieten führen und warum manche AnbieterInnen nach einiger Zeit wieder damit aufhören. Darüber hinaus wird deutlich gemacht, welchen Beitrag die Bauern und Bäuerinnen mit ihrem Engagement zum Stadt-Land-Dialog und zu einer sozial und kulturell nachhaltigen Entwicklung ihrer Region leisten.

Die Kooperation mit dem Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) ermöglicht eine geschlechterspezifische Sekundäranalyse von Daten über die anbietenden und nachfragenden TeilnehmerInnen von Schule am Bauernhof in Tirol. Darauf basierend wird eine teilstandardisierte Befragung der derzeitigen und der ehemaligen AnbieterInnen durchgeführt. Fallanalysen werden exemplarisch das dabei geforderte Handlungs- und Entscheidungsvermögen angesichts der stets wechselnden Herausforderungen im Alltagsgeschehen beleuchten. Die Ergebnisse werden durch Triangulation aufeinander bezogen und mit ExpertInnen diskutiert.

 

Veröffentlichungen

Steinbacher, Melanie/Schmitt, Mathilde (2013) Bäuerinnen als Pädagoginnen. Chancen und Herausforderungen von Schule am Bauernhof. In: Elisabeth Bäschlin/ Sandra Contzen/ Rita Helfensberger (Hrsg.) Frauen in der Landwirtschaft. Debatten aus Wissenschaft und Praxis. genderwissen 14, Bern/ Wettingen: eFeF-Verlag, S. 123-139.

Schmitt, Mathilde (2012) Soziales, kulturelles und symbolisches Kapital paralandwirtschaftlicher Aktivitäten am Beispiel von Schule am Bauernhof. Vortrag bei der 73. Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Ländliche Sozialforschung, Wien, 16.03.12.

Schmitt, Mathilde (2011) Der Lernort Bauernhof als Ressource nachhaltiger Entwicklung. In: Österreichische Gesellschaft für Agrarökonomie (Hg.) Diversifizierung versus Spezialisierung in der  Agrar- und Ernährungswirtschaft. Tagungsband der 21. Jahrestagung, Bozen, S. 27-28.

Schmitt, Mathilde (2011) Success Factors And Social Benefits Of School On The Farm In Mountain Regions. In: Sociology, European Society of Rural (Hrsg.), XXIV European Congress. Book of Abstracts, S. 112.