Finanzierung: FWF
Laufzeit: 2012-2016
Projektleitung
: Kurt Scharr

 

Im Zuge der Josephinischen Reformen kam es im gesamten habsburgischen Herrschaftsbereich im Rahmen eines weiter greifenden Säkularisierungsprozesses zur Auflösung von Klöstern bzw. zur grundlegenden Umgestaltung kirchlichen Eigentums. Die Bukowina stand zum diesem Zeitpunkt als junge Provinz des Habsburgerreiches unter militärischer Direktverwaltung Wiens. Die orthodoxe Kirche war im Land als Konfession dominierend und ebenso von den Umgestaltungen betroffen. Ein wesentlicher Teil der kaiserlichen Politik zielte auf die Arrondierung und Ausrichtung dieser Kirche auf die neuen territorialen Gegebenheiten des Habsburgerreiches ab, sodass bereits 1783 ein dezidiert der Bukowina zugeordneter griechisch-orientalischer Religionsfonds eingerichtet wurde. Diese Institution war damit völlig im Gegensatz zum "allgemeinen" "Wiener" Religionsfonds nicht nur auf eine andere Konfession abgestimmt, sondern von Beginn an regional verankert. Über seine wachsende wirtschaftliche Bedeutung als größter Grundbesitzer der Bukowina und seinen zunehmenden Einfluss entwickelte sich diese Institution bis zu ihrer Auflösung 1949 zu einem die Region maßgeblich prägenden Faktor. Die erstmalige grundlegende und quellenbasierte Analyse des Religionsfonds in seiner Bedeutung für die Gestaltung, Entwicklung und über die Religion gesteuerten Nationalisierung der Region "Bukowina" sowohl als Teil der Habsburgermonarchie (1774–1918) als auch als Teil Großrumäniens (1918–1949) ist zentraler Gegenstand des Forschungsprojektes.